Bedarfswerte beim Barfen nach NRC und FEDIAF
So gelingt die sichere Bedarfsdeckung beim Hund und bei der Katze
Bedarfswerte beim Barfen sind die Grundlage für eine sichere, langfristig ausgewogene Ernährung von Hund und Katze. Wer BARF beim Hund oder BARF bei Katzen nicht nur nach Gefühl, sondern wirklich bedarfsdeckend gestalten möchte, kommt an zwei Referenzsystemen kaum vorbei: NRC und FEDIAF.
Beide Systeme beschäftigen sich mit dem Nährstoffbedarf von Hunden und Katzen. Trotzdem unterscheiden sie sich deutlich: Der NRC beschreibt eher den wissenschaftlich-biochemischen Mindestbedarf unter kontrollierten Bedingungen, während die FEDIAF praxisnähere Empfehlungen für reale Futtermittel, reale Rohstoffe und eine zuverlässige Bedarfsdeckung im Alltag formuliert.
Gerade bei selbst zusammengestellten Rationen, selbst gekochtem Futter oder beim Barfen von Hund und Katze ist dieser Unterschied entscheidend. Eine Ration kann nach NRC rechnerisch ausreichend wirken, nach FEDIAF aber bereits kritisch sein – vor allem bei Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und essentiellen Fettsäuren.

Dieser Artikel wurde aus ernährungswissenschaftlicher Sicht verfasst und dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine individuelle Rationsberechnung durch eine fachkundige Ernährungsberatung oder tierärztliche Betreuung, insbesondere nicht bei Welpen, Kitten, trächtigen Tieren, Senioren oder Tieren mit Erkrankungen.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Bedarfswerte beim Barfen?
- Warum Bedarfsdeckung beim BARFen so wichtig ist
- NRC-Bedarfswerte für Hund und Katze
- FEDIAF-Bedarfswerte für Hund und Katze
- NRC vs. FEDIAF: Die wichtigsten Unterschiede
- Energiebedarf und Nährstoffdichte: Der unterschätzte Faktor
- Mineralstoffe beim BARFen: Calcium, Phosphor, Natrium und Magnesium
- Spurenelemente beim BARFen: Zink, Kupfer, Eisen, Jod und Selen
- Vitamine beim BARFen: Vitamin D, Vitamin E, Vitamin A und B-Vitamine
- Protein und Aminosäuren beim Hund und bei der Katze
- Bedarfsdeckung beim Barfen des Hundes
- Bedarfsdeckung beim Barfen der Katze
- Typische Fehler bei BARF-Rationen
- NRC oder FEDIAF: Was ist für BARF sinnvoller?
- Häufige Fragen zu Bedarfswerten beim Barfen
- Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
Was sind Bedarfswerte beim Barfen?
Bedarfswerte beschreiben, welche Mengen an Energie, Protein, Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen ein Tier benötigt, um langfristig gesund versorgt zu sein. Beim Barfen bedeutet das: Eine Ration sollte nicht nur aus Fleisch, Innereien, Knochen, Gemüse, Öl und Zusätzen bestehen, sondern rechnerisch den Bedarf des jeweiligen Tieres decken.
Die Bedarfsdeckung beim Hund und die Bedarfsdeckung bei der Katze hängen von vielen Faktoren ab:
- Tierart: Hund und Katze haben unterschiedliche Stoffwechselanforderungen.
- Alter: Welpen, Kitten, erwachsene Tiere und Senioren haben unterschiedliche Bedarfe.
- Körpergewicht: Der Bedarf wird häufig metabolisch berechnet, nicht einfach linear pro Kilogramm Körpergewicht.
- Aktivität: Ein sehr aktiver Hund benötigt mehr Energie als ein ruhiger Wohnungshund.
- Lebensphase: Wachstum, Trächtigkeit und Laktation erhöhen den Nährstoffbedarf deutlich.
- Gesundheitszustand: Erkrankungen von Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm oder Harnwegen können eine angepasste Ration erfordern.
Warum Bedarfsdeckung beim BARFen so wichtig ist
Beim klassischen Fertigfutter übernimmt der Hersteller die Verantwortung für die Nährstoffversorgung. Bei einer selbst zusammengestellten BARF-Ration liegt diese Verantwortung beim Halter oder bei der Person, die den Futterplan erstellt. Genau deshalb ist die Orientierung an belastbaren Bedarfswerten für Hunde und Katzen so wichtig.
Eine nicht bedarfsdeckende Ration kann kurzfristig unauffällig bleiben. Viele Nährstoffmängel entwickeln sich schleichend und werden erst nach Monaten oder Jahren sichtbar. Besonders kritisch sind:
- Calcium-Unterversorgung oder falsches Calcium-Phosphor-Verhältnis
- Jodmangel durch fehlende oder falsch dosierte Seealgenmehl-Ergänzung
- Zink- und Kupfermangel bei einseitiger Fleischfütterung
- Vitamin-D-Mangel bei fehlenden geeigneten Quellen
- Vitamin-E-Mangel bei hoher Fett- oder Ölzugabe
- Taurinmangel bei Katzen
- Ungleichgewicht von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren
Das Problem: Viele BARF-Pläne wirken auf den ersten Blick abwechslungsreich, sind aber trotzdem nicht vollständig bedarfsdeckend. Besonders beim Barfen bei Katzen und beim Barfen von Welpen sind pauschale Prozentmodelle riskant, weil kleine Abweichungen große Auswirkungen haben können.
NRC-Bedarfswerte für Hund und Katze
Der NRC steht für den National Research Council. Die Empfehlungen aus dem Werk Nutrient Requirements of Dogs and Cats zählen international zu den wichtigsten wissenschaftlichen Grundlagen der Hunde- und Katzenernährung.
Der NRC verfolgt primär einen wissenschaftlich-experimentellen Ansatz. Die Bedarfswerte basieren auf kontrollierten Studien, häufig mit hochverdaulichen und standardisierten Versuchsdieten. Ziel ist es, den physiologischen Mindestbedarf zu beschreiben, der notwendig ist, um Mangelsymptome zu vermeiden und zentrale Körperfunktionen aufrechtzuerhalten.
Was bedeutet NRC beim BARFen?
Für die Rationsberechnung beim BARFen liefert der NRC eine wichtige wissenschaftliche Basis. Er hilft dabei zu verstehen, wie viel eines Nährstoffs ein Hund oder eine Katze grundsätzlich benötigt. Die Werte sind besonders relevant für:
- biochemische Mindestanforderungen,
- physiologische Grundlagen des Nährstoffbedarfs,
- Vergleichswerte für wissenschaftliche Rationsberechnungen,
- die Bewertung einzelner Nährstoffe wie Calcium, Phosphor, Zink, Kupfer, Vitamin D oder Taurin.
Der entscheidende Punkt: NRC-Werte spiegeln oft ein ideales Szenario wider. In der Praxis haben BARF-Zutaten aber schwankende Nährstoffgehalte, unterschiedliche Verdaulichkeit und variable Bioverfügbarkeit.
FEDIAF-Bedarfswerte für Hund und Katze
Die FEDIAF ist der europäische Dachverband der Heimtierfutterindustrie. Die FEDIAF Nutritional Guidelines werden in Europa als wichtige Referenz für die Formulierung von Alleinfuttermitteln für Hunde und Katzen genutzt.
Im Unterschied zum NRC sind die FEDIAF-Bedarfswerte stärker praxisorientiert. Sie berücksichtigen, dass reale Futtermittel nicht aus idealen Laborzutaten bestehen. Deshalb enthalten viele Empfehlungen Sicherheitszuschläge, um Schwankungen in Rohstoffen, Bioverfügbarkeit und Verarbeitung auszugleichen.
Was bedeutet FEDIAF beim BARFen?
Für BARF-Rationen, selbst gekochtes Futter und individuelle Futterpläne ist FEDIAF besonders interessant, weil die Empfehlungen näher an der praktischen Fütterung liegen. Sie berücksichtigen unter anderem:
- variable Rohstoffqualität,
- unterschiedliche Verdaulichkeit,
- Nährstoffverluste durch Verarbeitung oder Lagerung,
- reduzierte Bioverfügbarkeit einzelner Mineralstoffe und Spurenelemente,
- Sicherheitszuschläge zur Vermeidung subklinischer Unterversorgung.
Gerade bei selbst zusammengestellten BARF-Rationen ist das wichtig. Denn Fleisch, Innereien, Knochen, Öle, Gemüse, Kräuter und Supplemente können je nach Herkunft und Qualität stark schwanken.
NRC vs. FEDIAF: Die wichtigsten Unterschiede
Obwohl NRC und FEDIAF denselben biologischen Bedarf von Hund und Katze adressieren, unterscheiden sie sich in Zielsetzung, Methodik und praktischer Anwendung deutlich.
| Bereich | NRC | FEDIAF |
|---|---|---|
| Grundansatz | Wissenschaftlich-experimentell | Praxisorientiert und regulatorisch |
| Ziel | Beschreibung des physiologischen Mindestbedarfs | Sichere Nährstoffversorgung unter realen Fütterungsbedingungen |
| Grundlage | Kontrollierte Studien, häufig mit hochverdaulichen Versuchsdieten | NRC-Daten plus aktuelle Forschung, Praxisannahmen und Sicherheitszuschläge |
| Bioverfügbarkeit | Oft idealisierte Verfügbarkeit der Nährstoffe | Berücksichtigt variable Verfügbarkeit realer Rohstoffe |
| Energieannahmen | Häufig höhere Energieaufnahme, z. B. beim erwachsenen Hund ca. 130 kcal/kg KG0,75 | Häufig niedrigere Energieaufnahme, z. B. beim erwachsenen Hund ca. 110 kcal/kg KG0,75 |
| Nährstoffdichte im Trockenstoff | Teilweise niedrigere Werte | Oft höhere Mindestwerte |
| Relevanz für BARF | Sehr gute wissenschaftliche Basis | Praxisnäher für langfristig sichere Bedarfsdeckung |
Energiebedarf und Nährstoffdichte: Der unterschätzte Faktor
Ein zentraler Unterschied zwischen NRC und FEDIAF liegt in den zugrunde gelegten Energieannahmen. Das klingt zunächst technisch, ist für die Bedarfsdeckung beim BARFen aber extrem wichtig.
Wenn ein Referenzsystem davon ausgeht, dass ein Hund mehr Energie aufnimmt, dann frisst dieser Hund rechnerisch auch mehr Futter. Dadurch nimmt er automatisch mehr Nährstoffe auf. Wird dagegen mit einer niedrigeren Energieaufnahme gerechnet, muss das Futter pro Kalorie nährstoffreicher sein, damit die Versorgung trotzdem ausreicht.
Beispiel: Warum FEDIAF-Werte pro 1000 kcal oft höher sind
Der NRC geht beim erwachsenen Hund häufig von einer höheren Energieaufnahme aus, etwa ca. 130 kcal pro kg Körpergewicht0,75. FEDIAF rechnet praxisnäher häufig mit niedrigeren Energieaufnahmen, etwa ca. 110 kcal pro kg Körpergewicht0,75.
Das bedeutet: Wenn ein Hund weniger Energie aufnimmt, frisst er weniger Futtermenge. Damit sinkt auch die absolute Aufnahme von Calcium, Zink, Kupfer, Jod, Vitamin D, Vitamin E und anderen Mikronährstoffen. Deshalb müssen diese Nährstoffe pro 1000 kcal höher konzentriert sein.
Mineralstoffe beim BARFen: Calcium, Phosphor, Natrium und Magnesium
Mineralstoffe gehören zu den häufigsten Schwachstellen in selbst zusammengestellten BARF-Rationen. Besonders Calcium und Phosphor sind entscheidend für Knochenstoffwechsel, Zähne, Muskelfunktion und Wachstum.

Calcium und Phosphor beim BARFen
Fleisch enthält von Natur aus viel Phosphor, aber wenig Calcium. Wird eine BARF-Ration nur aus Muskelfleisch, Innereien und etwas Gemüse zusammengestellt, entsteht fast immer ein Calciumdefizit. Dieses Defizit muss über geeignete Calciumquellen ausgeglichen werden, zum Beispiel über fleischige Knochen, Knochenmehl, Eierschalenpulver oder andere definierte Calciumquellen.
Das Calcium-Phosphor-Verhältnis ist besonders wichtig bei:
- Welpen und Junghunden,
- großwüchsigen Hunderassen,
- trächtigen und laktierenden Hündinnen,
- Kitten,
- Katzen mit reiner Fleischfütterung.
FEDIAF formuliert hier häufig strengere Mindestgehalte und engere Verhältnisse als einfache BARF-Faustregeln. Das ist ein Grund, warum Rationen, die nach groben BARF-Prozenten plausibel aussehen, nach FEDIAF trotzdem nicht bedarfsdeckend sein können.
Natrium, Kalium und Magnesium
Auch Natrium, Kalium und Magnesium werden beim Barfen oft unterschätzt. Natrium ist in frischen, unbehandelten Zutaten nicht automatisch ausreichend enthalten. Kalium stammt häufig aus Fleisch, Gemüse und Obst, kann aber bei sehr einseitigen Rationen schwanken. Magnesium ist besonders im Zusammenhang mit Harnwegsgesundheit, Muskelfunktion und Stoffwechsel relevant.
| Mineralstoff | Bedeutung beim BARFen | Typisches Risiko |
|---|---|---|
| Calcium | Knochen, Zähne, Muskel- und Nervenfunktion | Unterversorgung bei fleischlastigen Rationen ohne Calciumquelle |
| Phosphor | Knochenstoffwechsel, Zellenergie, Gewebefunktion | Übergewichtung bei sehr fleischreichen Rationen |
| Natrium | Elektrolythaushalt, Nervenleitung, Flüssigkeitsbalance | Zu geringe Aufnahme bei komplett ungesalzenen Rationen |
| Magnesium | Muskeln, Enzyme, Nervenfunktion | Schwankende Versorgung, besonders bei einseitiger Fütterung |
Spurenelemente beim BARFen: Zink, Kupfer, Eisen, Jod und Selen
Spurenelemente werden nur in kleinen Mengen benötigt, sind aber für die langfristige Gesundheit unverzichtbar. Beim Barfen von Hund und Katze entstehen hier besonders häufig stille Unterversorgungen.

Zink beim Barfen
Zink ist wichtig für Haut, Fell, Immunsystem, Wundheilung, Enzymfunktionen und Fortpflanzung. Fleisch enthält zwar Zink, aber nicht immer genug, um den Bedarf sicher zu decken. Besonders bei Rationen mit hohem pflanzlichem Anteil kann die Bioverfügbarkeit sinken, weil Phytate Mineralstoffe binden können.
Kupfer beim Barfen
Kupfer ist relevant für Blutbildung, Bindegewebe, Pigmentierung, Nervensystem und antioxidative Prozesse. Eine wichtige natürliche Kupferquelle ist Leber. Allerdings ist Leber gleichzeitig reich an Vitamin A, weshalb sie nicht beliebig hoch eingesetzt werden sollte.
Jod beim Barfen
Jod ist einer der kritischsten Nährstoffe in BARF-Rationen. Es wird für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt. Häufig wird Seealgenmehl eingesetzt, doch der Jodgehalt kann stark schwanken. Deshalb sollte Seealgenmehl nicht nach Gefühl, sondern exakt nach Analysewert dosiert werden.
Selen und Eisen
Selen unterstützt antioxidative Schutzsysteme und die Schilddrüsenfunktion. Eisen ist zentral für Blutbildung und Sauerstofftransport. Beide Nährstoffe hängen stark von der Auswahl der tierischen Komponenten ab. Innereien können hier wertvoll sein, müssen aber sinnvoll dosiert werden.
Vitamine beim BARFen: Vitamin D, Vitamin E, Vitamin A und B-Vitamine
Vitamine sind beim BARFen besonders anspruchsvoll, weil sie sehr unterschiedlich in natürlichen Zutaten vorkommen. Manche Vitamine sind in Innereien reichlich enthalten, andere müssen gezielt ergänzt werden.
Vitamin D beim Barfen
Vitamin D ist wichtig für Calcium- und Phosphorstoffwechsel, Knochen, Immunsystem und Muskelfunktion. Anders als Menschen können Hunde und Katzen ihren Vitamin-D-Bedarf nicht zuverlässig über Sonnenlicht decken. Deshalb muss Vitamin D über die Nahrung aufgenommen werden.
Geeignete Quellen können bestimmte Fischarten, Fischöl oder definierte Ergänzungen sein. Allerdings ist Vitamin D fettlöslich und kann bei Überversorgung problematisch werden. Deshalb ist eine genaue Berechnung wichtig.
Vitamin E und PUFA-reiche Öle
Vitamin E schützt mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor Oxidation. Je mehr PUFA-reiche Öle wie Fischöl, Lachsöl, Algenöl, Leinöl oder Hanföl eingesetzt werden, desto wichtiger wird eine ausreichende Vitamin-E-Versorgung.
Hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen NRC und FEDIAF: FEDIAF berücksichtigt den oxidativen Stress durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren stärker und setzt in vielen Fällen höhere Sicherheitsreserven an.
Vitamin A aus Leber
Vitamin A ist wichtig für Augen, Haut, Schleimhäute, Immunsystem und Wachstum. Beim BARFen stammt Vitamin A häufig aus Leber. Das Problem: Zu wenig Leber kann zu Unterversorgung führen, zu viel Leber kann langfristig eine Überversorgung begünstigen.
B-Vitamine
B-Vitamine sind unter anderem für Energie- und Eiweißstoffwechsel wichtig. Fleisch, Innereien, Eier und bestimmte Ergänzungen können zur Versorgung beitragen. Bei stark eingeschränkten Rationen, Ausschlussdiäten oder Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts sollte die Versorgung besonders geprüft werden.
| Vitamin | Bedeutung | BARF-Hinweis |
|---|---|---|
| Vitamin D | Calcium-Phosphor-Stoffwechsel, Knochen, Muskeln | Muss gezielt über die Ration kommen; nicht nach Gefühl ergänzen |
| Vitamin E | Antioxidativer Schutz, Zellmembranen, Schutz von Fettsäuren | Besonders wichtig bei Fischöl, Algenöl und anderen PUFA-reichen Ölen |
| Vitamin A | Augen, Haut, Schleimhäute, Immunsystem | Leber sinnvoll, aber genau dosieren |
| B-Vitamine | Energie-, Nerven- und Eiweißstoffwechsel | Innereien, Fleisch, Ei und Ergänzungen können relevant sein |
Protein und Aminosäuren beim Hund und bei der Katze
Beim BARFen wird Protein häufig automatisch als ausreichend angesehen, weil viel Fleisch gefüttert wird. Das ist aber nur teilweise richtig. Entscheidend ist nicht nur die Proteinmenge, sondern auch die Qualität, Verdaulichkeit und Versorgung mit essentiellen Aminosäuren.
Protein beim Hund
Der Hund ist ein fakultativer Carnivore. Er kann tierische und bestimmte pflanzliche Nährstoffquellen nutzen, benötigt aber eine ausreichende Versorgung mit hochwertigen Aminosäuren. Wichtig sind unter anderem Methionin, Lysin, Threonin, Tryptophan und andere essentielle Aminosäuren.
Bei sehr mageren, einseitigen oder stark reduzierten BARF-Rationen kann die Aminosäureversorgung problematisch werden, insbesondere wenn gleichzeitig Energie reduziert wird.
Protein und Taurin bei der Katze
Die Katze ist ein obligater Carnivore. Das bedeutet: Sie ist stärker auf tierische Nährstoffe angewiesen als der Hund. Besonders wichtig ist Taurin. Taurinmangel kann bei Katzen schwere Folgen haben, unter anderem für Herz, Augen, Fortpflanzung und Immunsystem.
Beim BARF für Katzen sollte Taurin nicht dem Zufall überlassen werden. Auch wenn rohes Fleisch Taurin enthalten kann, schwanken die Gehalte stark. Verarbeitung, Lagerung, Zerkleinerung und Auftauen können zusätzlich Einfluss haben.
Bedarfsdeckung beim Barfen des Hundes
Eine bedarfsdeckende BARF-Ration für Hunde sollte nicht nur aus Fleisch und Knochen bestehen. Sie muss alle relevanten Nährstoffgruppen berücksichtigen.
Wichtige Bestandteile einer BARF-Ration für Hunde
- Muskelfleisch: Protein, Aminosäuren, Phosphor, B-Vitamine
- Innereien: Vitamin A, Kupfer, Eisen, B-Vitamine und weitere Mikronährstoffe
- Calciumquelle: Knochen, Knochenmehl, Eierschalenpulver oder andere definierte Calciumquellen
- Fettquelle: Energie und essentielle Fettsäuren
- Omega-3-Quelle: z. B. Fischöl oder Algenöl für EPA/DHA
- Ballaststoffquelle: Gemüse, Obst oder gezielt ausgewählte Fasern
- Jodquelle: meist exakt dosiertes Seealgenmehl
- Weitere Ergänzungen: je nach Ration z. B. Zink, Vitamin D, Vitamin E oder Mangan
Warum Prozentmodelle beim Hund nicht ausreichen
Viele BARF-Pläne arbeiten mit pauschalen Prozenten, etwa 70–80 % tierische Bestandteile und 20–30 % pflanzliche Bestandteile. Solche Modelle können als grobe Struktur dienen, sagen aber nichts darüber aus, ob die Ration den Bedarf an Zink, Kupfer, Jod, Vitamin D, Vitamin E, Calcium oder essentiellen Fettsäuren deckt.
Besonders bei kleinen Hunden, sehr aktiven Hunden, übergewichtigen Hunden oder Hunden mit Erkrankungen kann eine pauschale BARF-Ration schnell unpassend werden.
Bedarfsdeckung beim Barfen der Katze
BARF bei Katzen ist ernährungsphysiologisch anspruchsvoller als BARF beim Hund. Katzen sind obligate Fleischfresser und haben spezielle Anforderungen an Protein, Aminosäuren, Fettsäuren, Vitamin A, Vitamin D, Taurin und Arachidonsäure.
Besondere Nährstoffe bei Katzen-BARF
- Taurin: unverzichtbar für Herz, Augen, Fortpflanzung und Zellfunktion
- Arginin: wichtig für den Harnstoffzyklus und die Entgiftung von Ammoniak
- Arachidonsäure: essentielle Fettsäure, die Katzen nicht ausreichend selbst bilden können
- Vitamin A: Katzen können Beta-Carotin nur begrenzt in aktives Vitamin A umwandeln
- Vitamin D: muss über die Nahrung zugeführt werden
- Niacin: erhöhter Bedarf im Vergleich zu vielen anderen Tierarten
Bei Katzen reicht es daher nicht aus, einfach Fleisch, Herz, Leber und Knochen zu kombinieren. Eine bedarfsdeckende Katzen-BARF-Ration sollte immer genau berechnet werden.
Warum Katzen beim BARFen besonders sensibel sind
Katzen zeigen Nährstoffmängel nicht immer sofort. Ein Taurinmangel oder ein unausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis kann sich über längere Zeit entwickeln. Gleichzeitig sind Katzen oft wählerisch, wodurch Supplemente nicht immer zuverlässig aufgenommen werden.
Typische Fehler bei BARF-Rationen
Viele Fehler beim BARFen entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus dem Irrtum, dass Natürlichkeit automatisch Bedarfsdeckung bedeutet. Das stimmt leider nicht.
| Fehler | Warum problematisch? | Besser |
|---|---|---|
| Nur Fleisch ohne Calciumquelle | Führt fast immer zu Calcium-Unterversorgung und ungünstigem Calcium-Phosphor-Verhältnis | Calciumquelle exakt berechnen |
| Seealgenmehl nach Gefühl | Jodgehalt schwankt stark; Unter- oder Überversorgung möglich | Jodgehalt des Produkts prüfen und exakt dosieren |
| Zu viel Leber | Risiko für überhöhte Vitamin-A-Zufuhr | Lebermenge berechnen und nicht pauschal erhöhen |
| Öle ohne Vitamin-E-Anpassung | PUFA-reiche Öle erhöhen den Bedarf an antioxidativem Schutz | Vitamin E passend zur Fett- und Ölmenge berücksichtigen |
| Keine Taurinergänzung bei Katzen | Taurinmangel kann schwerwiegende Folgen haben | Taurinversorgung bei Katzen immer absichern |
| Ration nur nach Prozenten | Prozentmodelle zeigen keine echte Nährstoffdeckung | Ration nach Bedarfswerten berechnen |
| Keine Anpassung an Energiebedarf | Bei geringer Futtermenge sinkt auch die Nährstoffaufnahme | Nährstoffe in 100g Trockenstoff prüfen |
NRC oder FEDIAF: Was ist für BARF sinnvoller?
Für die Praxis ist die beste Antwort nicht „entweder NRC oder FEDIAF“, sondern: Beide Systeme sollten verstanden werden.
Der NRC liefert die wissenschaftliche Grundlage und beschreibt den physiologischen Bedarf. Die FEDIAF überträgt diese Grundlage stärker in reale Fütterungssituationen und berücksichtigt Sicherheitszuschläge, Bioverfügbarkeit und praxisnahe Energieannahmen.

Warum FEDIAF für BARF oft die robustere Orientierung ist
Für die langfristige Planung von BARF-Rationen, selbst gekochtem Futter oder individuellen Futterplänen ist FEDIAF häufig die risikoärmere Referenz. Das gilt besonders für:
- Mineralstoffe wie Calcium und Phosphor,
- Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Eisen, Jod und Selen,
- antioxidativ wirksame Vitamine wie Vitamin E,
- Rationen mit niedriger Energieaufnahme,
- Rationen mit hohem Anteil pflanzlicher Komponenten,
- Katzenrationen mit kritischen Aminosäuren wie Taurin und Arginin.
NRC-basierte Rationen können wissenschaftlich korrekt sein. In der praktischen Fütterung können sie aber ein höheres Risiko für subklinische Unterversorgung bergen, wenn Rohstoffschwankungen, Bioverfügbarkeit und reduzierte Energieaufnahme nicht berücksichtigt werden.
Wie prüft man eine BARF-Ration auf Bedarfsdeckung?
Eine professionelle Prüfung einer BARF-Ration sollte nicht nur die Grammzahlen der Zutaten betrachten, sondern die Nährstoffversorgung pro Tag und pro Energieeinheit bewerten. Besonders wichtig ist die Betrachtung pro 1000 kcal oder je 100g im Trockenstoff, weil dadurch sichtbar wird, ob die Ration nährstoffdicht genug ist.
Wichtige Prüfpunkte einer BARF-Ration
- Energiebedarf: Passt die Kalorienmenge zum Tier?
- Proteinversorgung: Sind Menge, Qualität und Aminosäureprofil passend?
- Fettversorgung: Stimmen Energie, Omega-3, Omega-6 und Fettqualität?
- Calcium und Phosphor: Stimmen Menge und Verhältnis?
- Spurenelemente: Sind Zink, Kupfer, Eisen, Jod und Selen gedeckt?
- Vitamine: Sind Vitamin A, D, E und B-Vitamine ausreichend vorhanden?
- Katze: Ist Taurin sicher abgedeckt?
- Lebensphase: Wurde Wachstum, Trächtigkeit, Laktation oder Alter berücksichtigt?
Eine gute Rationsberechnung zeigt nicht nur, welche Zutaten enthalten sind, sondern auch, welche Nährstoffe knapp, überschüssig oder im optimalen Bereich liegen.
Häufige Fragen zu Bedarfswerten beim Barfen
Was bedeutet Bedarfsdeckung beim BARFen?
Bedarfsdeckung beim BARFen bedeutet, dass die Ration alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge liefert. Dazu gehören Energie, Protein, essentielle Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.
Was ist besser: NRC oder FEDIAF?
Der NRC ist eine wichtige wissenschaftliche Grundlage. FEDIAF ist praxisnäher und berücksichtigt Sicherheitszuschläge, reale Rohstoffe und geringere Energieaufnahmen. Für die praktische BARF-Rationsplanung ist FEDIAF daher häufig die robustere Orientierung.
Kann eine BARF-Ration ohne Supplemente bedarfsdeckend sein?
In Einzelfällen können sehr sorgfältig zusammengestellte Rationen viele Nährstoffe abdecken. In der Praxis sind bestimmte Ergänzungen aber häufig notwendig, zum Beispiel für Jod, Vitamin D, Vitamin E, Zink oder Taurin bei Katzen.
Warum reicht Fleisch allein nicht aus?
Fleisch liefert Protein und Phosphor, aber zu wenig Calcium und nicht automatisch ausreichend Jod, Vitamin D, Vitamin E, Zink oder Kupfer. Eine reine Fleischfütterung ist daher nicht bedarfsdeckend.
Ist BARF für Katzen schwieriger als BARF für Hunde?
Ja. Katzen haben als obligate Carnivoren spezielle Anforderungen, insbesondere an Taurin, Arginin, Vitamin A, Vitamin D und Arachidonsäure. Deshalb sollte Katzen-BARF besonders exakt berechnet werden.
Sind FEDIAF-Werte immer höher als NRC-Werte?
Nicht immer, aber häufig liegen FEDIAF-Mindestwerte pro Energieeinheit höher. Das liegt vor allem daran, dass FEDIAF praxisnähere Sicherheitszuschläge und niedrigere Energieaufnahmen berücksichtigt.
Warum ist die Angabe in Trockenstoff oder pro 1000 kcal wichtig?
Die Angabe in TS (Trockenstoff) oder pro 1000 kcal zeigt, wie nährstoffdicht eine Ration ist. Das ist besonders wichtig bei Tieren, die wenig Energie aufnehmen, zum Beispiel kleine Hunde, kastrierte Tiere, Senioren oder Tiere mit Neigung zu Übergewicht.
Kann man BARF einfach mit einer Tabelle berechnen?
Tabellen können helfen, ersetzen aber keine vollständige Rationsberechnung. Entscheidend ist die Kombination aus Energiebedarf, Zutatenanalyse, Bioverfügbarkeit, Lebensphase und Referenzwerten nach NRC oder FEDIAF.
Fazit: Bedarfswerte sind die Grundlage für sicheres BARFen
BARFen beim Hund und BARFen bei der Katze kann nur dann langfristig sinnvoll sein, wenn die Ration bedarfsdeckend ist. Natürlichkeit allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob alle Nährstoffe in der richtigen Menge, im richtigen Verhältnis und mit ausreichender Bioverfügbarkeit enthalten sind.
Der NRC liefert eine wertvolle wissenschaftliche Grundlage für den physiologischen Nährstoffbedarf. Die FEDIAF geht einen Schritt weiter in Richtung Praxis und berücksichtigt reale Fütterungsbedingungen, Sicherheitszuschläge und geringere Energieaufnahmen. Für selbst zusammengestellte BARF-Rationen ist deshalb eine FEDIAF-orientierte Prüfung besonders sinnvoll.
Wer BARF wirklich sicher umsetzen möchte, sollte nicht nur nach Prozenten füttern, sondern die Ration anhand belastbarer Bedarfswerte berechnen lassen – besonders bei Katzen, Welpen, Kitten, Senioren und Tieren mit gesundheitlichen Besonderheiten.
Wissenschaftliche Quellen & Referenzen
- National Research Council (NRC). Nutrient Requirements of Dogs and Cats. National Academies Press, Washington, D.C., 2006. – Grundlagenwerk zu Energiebedarf, Protein, Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen bei Hund und Katze.
- FEDIAF. Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs. Version 2025. – Europäische Leitlinie zur Formulierung bedarfsdeckender Heimtierfuttermittel mit Mindest- und Höchstwerten sowie praxisnahen Sicherheitszuschlägen.
- Case LP, Daristotle L, Hayek MG, Raasch MF. Canine and Feline Nutrition: A Resource for Companion Animal Professionals. 3rd Edition. Mosby Elsevier, 2011. – Fachbuch zur praktischen Hunde- und Katzenernährung, Nährstoffversorgung und Rationsbewertung.
- Hand MS, Thatcher CD, Remillard RL, Roudebush P, Novotny BJ. Small Animal Clinical Nutrition. 5th Edition. Mark Morris Institute, 2010. – Klinisch orientiertes Standardwerk zur Ernährung von Hunden und Katzen in verschiedenen Lebensphasen und Krankheitsbildern.
- Freeman LM, Chandler ML, Hamper BA, Weeth LP. Current knowledge about the risks and benefits of raw meat-based diets for dogs and cats. Journal of the American Veterinary Medical Association. 2013;243(11):1549–1558. – Übersicht zu Chancen und Risiken rohfleischbasierter Rationen bei Hund und Katze.
- Dillitzer N, Becker N, Kienzle E. Intake of minerals, trace elements and vitamins in bone and raw food rations in adult dogs. British Journal of Nutrition. 2011;106(S1):S53–S56. – Untersuchung zur Nährstoffversorgung bei BARF-Rationen erwachsener Hunde mit Fokus auf Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine.
- Schlesinger DP, Joffe DJ. Raw food diets in companion animals: A critical review. The Canadian Veterinary Journal. 2011;52(1):50–54. – Kritische Übersicht zu rohfleischbasierten Diäten bei Heimtieren.
- Plantinga EA, Bosch G, Hendriks WH. Estimation of the dietary nutrient profile of free-roaming feral cats: possible implications for nutrition of domestic cats. British Journal of Nutrition. 2011;106(S1):S35–S48. – Einordnung natürlicher Beutetierprofile und deren Bedeutung für die Ernährung von Hauskatzen.